Gastartikel: Plädoyer für das Bloggen – Die Zukunft des Journalismus

Urlaubsvertretung Sven

Sebastian: Sven, der auf seinem Blog regelmäßig über das Vater sein und der Umgang mit Technik schreibt, war so freundlich und hat einen Beitrag für die Urlaubsvertretung beigesteuert.
Vielen Dank… und nehmt das, klassische Medien!

Erst kürzlich hat das Blogger-Event re:publica wieder einmal gezeigt, wie sehr sich die Medienlandschaft verändert hat. Doch leider wird in der breiten Öffentlichkeit von den „klassischen“ Medien noch immer ein Bild von Bloggern erzeugt, das im Jahr 2015 wirklich längst überholt sein sollte.

Seit 2007, dem ersten Jahr der re:publica, sind zahlreiche neue Blogs entstanden. Viele der länger bestehenden Blogs sind zu echten Größen herangewachsen. Sie bestehen oft aus einem mehrköpfigen Autorenteam und Gastautoren. Sie generieren Umsätze, von denen so manch klassischer kleiner Verlag nur träumen kann. Und trotzdem werden Blogger von Journalisten, Medienschaffenden und PR-Teams eher belächelt als ernst genommen. Doch warum ist das so?

Die Print-Branche steckt in einer tiefen Krise. Zwar sind in den letzten Jahren mehr neue Printpublikationen als je zuvor auf dem deutschen Markt erschienen, doch die großen Verlagshäuser beklagen sinkende Absatzzahlen und schrumpfende Auflagen. Mit ihren Online-Auftritten, die sich in der Regel aus Werbung finanzieren, schaffen sie es nicht, die Verluste einzugrenzen. In der Folge mussten etablierte Häuser wie die „Financial Times Deutschland“ ihre Pforten schließen.

Blogs dagegen erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Einige Wenige schaffen es entgegen dem Trend stetig steigende Umsätze zu erzielen. Sei es durch Werbung, Sponsoring oder auch durch innovativere Formen der Online-Vermarktung wie Content-Payment, auch bekannt als Paywalls.

Blogs haben den Vorteil, sich von den großen Verlagshäusern abheben zu können, denn Blogger sind einfach vielseitiger, als es ein Journalist je sein wird. Blogger sind Autoren, Journalisten, Fotografen, Kameraleute, Administratoren und Marketing-Experten in einer Person. Sie kümmern sich um die technischen Hintergründe ihrer Blogs, schreiben Artikel, recherchieren dazu, machen Fotos und Videos und vermarkten ihren Online-Auftritt. Und sie sind echte Spezialisten in dem Gebiet, über das sie Bloggen.

Das Aufgabenspektrum von Journalisten dagegen beschränkt sich allein auf die Recherche und das Verfassen von Texten. Sie stehen in einem Angestelltenverhältnis, sind also weisungsgebunden und viele der sogenannten Journalisten und Redakteure befassen sich den ganzen Tag mit nichts anderem, als Pressemitteilungen umzuschreiben und dann zu veröffentlichen. Das ist auch der Grund dafür, warum immer öfter der Eindruck entsteht, die Medien würden Einheitsbrei produzieren und alle konform das selbe publizieren. Die großen Medienhäuser sind einfach austauschbar geworden. Was auch Viele vergessen oder nicht wissen: Journalisten sind keine top ausgebildeten Leute, die ihren Beruf wie die meisten anderen Berufstätigen erlernen mussten. Als Journalist darf sich jeder bezeichnen, der mal einen Text veröffentlicht hat. Redakteure sind eine Unterform des Berufsbilds der Journalisten. Sie haben meist ein zweijähriges Volontariat absolviert, in dem sie neben ein paar Lehrgängen nichts anders machen als Praktikanten: Schreiben, Termine wahrnehmen, Recherchieren und wieder Schreiben. Kein Studium, keine duale Ausbildung, kein staatlich anerkanntes Prüfungszeugnis. Journalisten und Redakteure sind also definitiv nicht die Elite der schreibenden Zunft.

Blogger dagegen kennen sich in ihren Themengebieten aus. Und sie stecken ihr ganzes Herzblut in ihre Online-Projekte. Damit ist die Arbeit von Bloggern von Grund auf schon viel ehrlicher, als es die Arbeit eines bezahlten Journalisten oder Redakteurs je sein könnte.

Und genau das wissen die „klassischen“ Medien. Große Medienhäuser arbeiten ausschließlich wirtschaftlich orientiert. Klickzahlen und Auflagen sind wichtiger als Inhalte. Und Blogger sind die neue Konkurrenz, die klein gehalten werden muss.

Das merken auch die Leser. Das ist der Grund, warum Blogger im Jahr 2015 die wahren Journalisten und Redakteure sind, während sich die Branche der großen Verlagshäuser „gesund schrumpft“. Niemand braucht in Zeiten von Social Media noch Nachrichten, die keine echten Nachrichten mehr sind. Und noch viel weniger braucht man redaktionelle Artikel über Produkte, Menschen oder all die anderen Themen, wenn sie nicht wirklich mit „Herzblut“ und echtem Fachwissen verfasst worden sind.

Sicher gibt es auch Ausnahmen: vor allem freie Journalisten. Doch auch diese Gattung hat die Zeichen der Zeit längst erkannt und gründet eigene Blogs. Das sollte für sich sprechen. Und zeigt auf, wo die Zukunft des Journalismus liegt.

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