Die Sache mit dem Fahrstuhl

Aufzug außer Betrieb Schild

In Berlin können wir uns, glaube ich, gar noch so laut beklagen. Fast jeder S- oder U-Bahn Bahnhof hat mittlerweile einen Fahrstuhl. Da gibt es sicher andere Orte, in denen das weitaus schlimmer ist. Und auch wenn die Fahrstühle meist nicht viel schneller sind, als wenn ich mich selbst an einem Seil hochziehen müsste, bin ich doch dankbar dafür, dass es sie gibt. Wenn…

Wie war der Spruch? Wo Licht ist, gibt es auch Schatten. Hier mal ein paar Schattenseiten der Fahrstühle (in Berlin).

Kein Fahrstuhl nur Treppen

cc by-sa Ingolf via Flickr

Warum nur wollen immer alle mit dem Fahrstuhl fahren?

Bis vor kurzem war ich nur Fahrstuhlfahrer, wenn ich mal mit dem Fahrrad unterwegs war. Und da ist es mir auch schon aufgefallen. Wer alles meint, Fahrstuhl fahren zu müssen. Okay, einigen Menschen sieht man es nicht direkt an, ob sie auf einen Fahrstuhl angewiesen oder einfach nur zu faul sind. Bei vielen liegt der Verdacht aber nah, dass sie nur zu faul sind Rolltreppe oder gar Treppe zu nutzen. An sich habe ich ja nichts dagegen. Rein rechnerisch müssen die Dinger ja auch bewegt werden, damit die Betriebskosten je Nutzer gering bleiben und die Dinger nicht irgendwann mal aus Kostengründen eingestellt werden. Ich habe auch nichts dagegen, wenn der Weg zur Treppe mal etwas weiter ist und man dann den Fahrstuhl nutzt, ohne dass es dafür einen medizinischen oder sonstigen Grund gibt. Aber dann sollten die Leute doch bitte so fair sein und denen, die nicht zu faul, sondern darauf angewiesen sind, den Vorrang lassen. Wenn man an einem Fahrstuhl steht, der eh schon mit gefühlten -2 km/h fährt und einfach nur zu faul ist, eine Treppe hoch zu gehen, aber auf einmal hinter mir zwei Kinderwagen oder gar noch ein Rollstuhlfahrer steht, muss ich mich da nicht reinstellen und zuschauen wie der Kinderwagen oder Rollstuhl nicht mehr rein passt. Dafür sind die Teile nicht gedacht.

So habe ich es letztens an meinem Lieblingsfahrstuhl am S-Bahnhof Alexanderplatz miterlebt, wie vor uns (mit Kinderwagen) eine Dame (etwas kräftiger gebaut) mit ihrem Sohn (?) standen und auf den Fahrstuhl warteten. Und wir warteten lange. Denn der Fahrstuhl gehört definitiv zur Kategorie der Schneckenlifte. (Wann werden eigentlich die Turbolifte aus Star Trek massentauglich?) Wir warteten also mehrere Minuten. Gefühlt waren es sicher acht bis der Fahrstuhl dann endlich kam. Die beiden beleibten Personen vor uns stiegen ein, wir quetschten uns noch mit rein, weil wir keine 30 Minuten auf den nächsten freien Fahrstuhl warten wollten. Eine Etage höher, stiegen beide wieder aus. Meine Frau und ich schauten uns unverständlich an. Für eine Etage, die man auch locker mit Rolltreppe und einer Treppe nach unten erreichen konnte, nutzen sie einen Fahrstuhl?! Naja wenn man Zeit hat.

In den drei Wochen, in denen ich jetzt Vater und auch auf einen Fahrstuhl angewiesen bin, sind mir noch einige weitere solcher Geschichten passiert. Einige davon noch dreister.

Das mit den barrierefreien Bahnhöfen ist auch oft nur geschummelt.

Wie bereits geschrieben gibt sich Berlin, im besonderen die BVG (ÖPNV Anbieter in Berlin) und die S-Bahn extrem barrierefrei. Hier mal ein Beispiel für die U-Bahn Linie U1. Wie man an den Symbolen erkennen kann, gibt es hier und da eine Station, die noch ohne Fahrstuhl und ohne Rampe ist. Aber darauf könnte man sich ja dann fast einstellen.

U-Bahn Linie U1

U-Bahn Linie U1

Man könnte sich aber auch nur darauf einstellen, wenn die Angaben dort korrekt wären. Beispielsweise nehmen wir mal die beiden Stationen U Kurfürstendamm und U Wittenbergplatz. Beide liegen an Berlins bekanntester Straße, dem Kurfürstendamm. Warum auch immer – aber Anziehungspunkt für viele Touristen, nicht zuletzt wegen des KaDeWe, welches direkt am U-Bahnhof Wittenbergplatz liegt.

Jetzt sollte man anhand der Symbole aber auch denken, dass man an diesen beiden Stationen problemlos mit dem Fahrstuhl zu den Bahnsteigen kommt, um dann Richtung Zentrum (S+U Warschauer Straße) zu fahren. FALSCH. Es gibt zwar an beiden Haltestellen einen Fahrstuhl, doch dieser ist nur für die Richtung U Uhlandstraße geeignet. In die andere Richtung muss man die Treppe nehmen. Alternativ kann man natürlich auch eine/zwei Stationen in die andere Richtung fahren, dort umsteigen (und nochmals warten) und dann in seine eigentliche Richtung fahren. Ich wette, da gibt es noch ein paar weitere Beispiele die ähnlich sind.

Darum finde ich, dass diese Kennzeichnung falsch ist. Ich werde die BVG auf den Fehler mal hinweisen müssen.

Wo bitte geht es zum Fahrstuhl?

Ich bin kein Architekt oder Statiker, nur jemand der gerne meckert, aber müssen einige Fahrstühle wirklich an so unmöglichen Stellen sein? Mal eben schnell umsteigen nur mit Fahrstühlen geht gar nicht. Nehmen wir als Beispiel noch einmal den S-Bhf Alexanderplatz.

Wenn ich dort von der Haltestelle der U5 hoch zur S-Bahn möchte, müsste ich laut Ausschilderung in den Fahrstühlen 3 Fahrstühle nehmen.

  1. von der U-Bahn in die Zwischenetage
  2. von der Zwischenetage zum Bahnhofsgebäude
  3. vom Bahnhofsgebäude hoch zu den S-Bahngleisen

Bei einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von Schnecke, einer durchschnittlichen Fahrstuhlgröße von 1,5 Kinderwagen und einem Passagieraufkommen von vielen, kann das mal locker 20 bis 30 Minuten dauern. Vorausgesetzt man hat das Glück und erwischt einen leeren Fahrstuhl wo noch keiner – der den Fahrstuhl nicht benötigt – drin steht.

Wenn man sich etwas auskennt, weiß man, dass es reicht, vom U-Bahnhof hoch an die frische Luft und dann rein ins Bahnhofsgebäude zu gehen. Spart einen Fahrstuhl.

Muss das Ding schon wieder defekt sein?

Aufzug außer Betrieb Schild

cc by Joerg Moellenkamp via Flickr

Gut, an dieser Stelle können die Meisten nichts dafür. Weder die Verkehrsbetriebe noch die Benutzer, die das Gerät normal benutzen. Oder? Wenn man mal kurz überlegt, warum wir in Berlin in den letzten Jahren so arge Probleme mit der S-Bahn haben, könnte man die Theorie aufstellen, dass auch an der Wartung der Fahrstühle (und Rolltreppen) gespart wird. Aber das wäre reine Spekulation.

Sowohl die BVG als auch die S-Bahn Berlin bieten auf ihren Seiten (auch auf den mobilen) eine Übersicht der defekten Fahrstühle an. Leider scheint es keine Möglichkeit zu geben, neue Schäden zu melden. (Ich hatte es dann vorgestern mal per Twitter an die S-Bahn Berlin versucht, ohne Reaktion.)

Fahrstuhlstörungen bei der BVG & Störungen der Aufzüge bei der S-Bahn Berlin

Gefühlt sind die Dinger ja immer defekt. Und will man dann aus Verzweiflung auf die Rolltreppe ausweichen, ist diese unter Garantie auch defekt oder außer Betrieb.

Hinweis: Die kleinen Hinweisschilder an den Rolltreppen, die aussagen, dass die Nutzung von Rolltreppen mit Kinderwagen verboten ist. Und wirklich, es ist verboten. Siehe dazu DIN EN 115.

Update 20.03.2015:
Mittlerweile gibt es auf dem Blog von runzelfuesschen eine Blogparade zu dem Thema… wer also mehr dazu lesen will, sollte da mal vorbei schauen.

Sebastian kommt aus Berlin, arbeitet am Kunden bei einem Enterprise Webhoster, ist verheiratet und seit 2013 Vater eines Sohnes. Auch wenn er noch ganz knapp aus der Generation ohne Internet stammt, spielt sich sein Leben fast komplett digital ab. Seine große Begeisterung ist das Reisen, am besten in große Städte in denen viel los ist.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Auch wenn das Rolltreppe-Fahren mit Kinderwagen verboten ist – wir machen es immer öfter. Die Fahrstühle an Bahnhöfen und Einkaufscentern werden gefühlt immer langsamer und unbenutzbarer.

    • Das kann ich verstehen. Ich habe auch gelesen, dass es keine Strafen geben wird. Ich habe das auch schon mit dem Fahrrad gemacht. Nicht schön, anders geht es aber ab und an leider nicht.