Im Interview: Anja Mey – Fotografin und Mutter

Anja Mey - Fotografin aus Berlin
Anja Mey - Fotografin aus Berlin

Anja Mey – Fotografin aus Berlin

Ich möchte euch heute eine liebe Freundin vorstellen.
Anja Mey ist Fotografin aus Berlin und wir lernten sie auf der Hochzeit von Freunden kennen. Sie war als ihre Fotografin vor Ort und machte wunderbare Bilder. Wir mussten sie auch gleich als unsere Hochzeitsfotografin anheuern. Weil Anja so eine sympatische, nette Frau ist und man bei ihr nicht dieses „Auftraggeber und Dienstleister“ Gefühl hatte, entwickelte sich direkt eine Freundschaft. Und seitdem fotografiert sie uns als Familie regelmäßig.

Anja ist selbstständige Fotografin und hat einen Sohn, der echt klasse Sprüche drauf hat. Von denen gibt es immer mal wieder ein paar bei Facebook zu lesen. Sie und ihr Mann wohnen in Berlin Kreuzberg. Das Studio, in dem sie ihre Kunden empfängt, liegt in einem abgefahrenen Hinterhof in dem auch ein Nachtclub angesiedelt ist. Wenn man einen Termin früh genug bei ihr bekommt, kann man dann Alkleichenhindernislauf machen.

Anja war so freundlich und und stand mir für ein paar Fragen zur verfügung. Dabei hat sie auch ein paar sehr gute Tipps gegeben was man noch beim Kinder fotografieren beachten sollte.

Familienfotografin Anja Mey im Interview

Du bist ja nicht nur professionelle Fotografin, sondern auch Mutter eines Sohnes. Gibt es von ihm auch sogenannte „Schnappschüsse“, die verwackelt, unscharf und schlecht beleuchtet sind, die du aber nicht löschen willst, weil das, was man sieht einfach erinnerungswürdig ist? – Bitte sag ja, um alle Eltern zu beruhigen, die fast nur solche Fotos von ihren Kindern haben.

Da kann ich ganz selbstbewusst und als Fotografin uneitel sagen: JA!
Denn trotz meiner Profession habe ich ja auch nicht immer im entsprechenden Moment die richtige Technik und Kameraeinstellung zur Hand. Es gibt also z. B auch einige verwackelte Handyfotos in schlechter Auflösung.

Viele Momente sind so schnell vorbei. Da ist es mir dann wichtiger sie irgendwie festzuhalten als ein technisch perfektes Bild zu haben.
Merke ich dann, dass die Situation noch etwas anhält, dann bin ich aber ganz schnell unterwegs, um die Spiegelreflex zu holen und weiter zu fotografieren.

Generell ist mir aber immer der Moment wichtiger als technische Perfektion!

Wir kennen uns ja schon eine ganze Weile. Du hast unsere Hochzeit fotografiert und warst recht bald nach der Geburt unseres Sohnes auch bei uns zum Fotografieren. Ich weiß auch, dass du Businessfotos schießt und einiges mehr. Was macht dir am meisten Spaß?

Ich bin tatsächlich eine richtige Familienfotografin!

Ich bin Menschen sehr gern nahe, lerne sie kennen und begleite sie. Dabei begleiten mich viele meiner Kunden tatsächlich auch in meinem Leben über lange Zeit. Das kennst du mit deiner Familie ja ganz gut.
Diese Nähe schafft soviel Vertrauen und ein entspanntes Fotografieren. Und ich erfahre viel Freude und Dankbarkeit.

Viele Kunden sagen vor dem Shooting solche Dinge wie: „Ich bin nicht fotogen. Ich lasse mich so ungern fotografieren.“
Beim Shooting dann gelingt es mir eigentlich immer sehr gut, eine relaxte Atmosphäre zu schaffen, so dass schöne Bilder entstehen können und die Kunden glücklich sind mit Ihren Bildern. UND sie kommen dann wieder und empfehlen mich weiter. Und dass ist wohl die schönste Zusprache.

Wenn du Kinder fotografierst, ist das sicher nicht immer einfach. Jeder, der schon mal versucht hat, ein Kind zu fotografieren, weiß, dass diese kleinen Biester nicht immer still halten oder gut gelaunt sind. Welche Tipps und Tricks hast du, die wir „Normalos“ auch nachmachen können?

Ich glaube am Wichtigsten ist es, sich auf ein Kind einzulassen. Nicht Motive im Kopf zu haben, die man umsetzen möchte und die dem Lüttchen vielleicht gar nicht entsprechen.

Es ist auch ein großer Unterschied, ob man eine Momentaufnahme machen möchte oder ein Studioportrait. Überlasst die Studioarbeit ruhig dem Profi!
Im Alltag könnt Ihr Euch mit einer Kamera aber vielleicht sogar besser anschleichen als jemand, den Euer Kind nicht kennt.

Wenn ein Kind kein Vertrauen hat oder einfach keine Lust, fotografiert zu werden, haben wohl weder Eltern noch Profi eine Chance. Deshalb nehme ich mir für Kinder immer gern viel Zeit. Bei einem Homeshooting lasse ich mir z. B. gern vom Kind erst einmal das Kinderzimmer zeigen oder das Lieblingskuscheltier vorstellen. Oder koche etwas mit in der Spielküche.
Im Studio wird auch gern das Kuscheltier als Erster fotografiert, so dass das Kind einmal von aussen betrachten kann, was da eigentlich passiert.

Leider hat sich mit der digitalen Fotografie auch das Auftreten der Lütten vor der Kamera verändert. Es ist nämlich leider oft ein wirklicher Auftritt geworden. BITTE trainiert Euren Kindern kein Kameralachen oder Posen an. Das sieht eigentlich nie wirklich schön und schon gar nicht authentisch und kindlich aus.
Ich selbst lasse meinen Sohn auch nie auf den Kameramonitor schauen. Bilder werden erst als Prints, in Fotobüchern oder am Laptop angesehen.

Fotografiert die Momente!
Und das ist selten ein Grinsen in die Kamera. Es kann auch mal eine Träne im Auge sein; das nachdenkliche Kind; ein zweifelnder Blick oder die Konzentration auf ein Spiel.

Anja Mey Augenblicke

Versucht verschiedene Bildausschnitte aufzunehmen!

Nur das Gesicht, um den Ausdruck des Kindes zu betonen. Oder den gesamten Raum, um die Situation einzufangen. Meist ist es schön, eine kleine Serie von zwei oder drei Bildern zu fotografieren.

Begleitet sanft und zurückhaltend!

Wenn Ihr durch Rufen die Konzentration des Kindes auf die Kamera lenkt, ist der wundervolle Moment meist vorbei. Sollte es Euch dann wichtig sein, doch noch ein Bild mit direktem Blick in die Kamera zu bekommen (und das ist mir auch manchmal wichtig), dann macht das, wenn Ihr bereits genügend Bilder nebenbei fotografiert habt.

Probiert verschiedene Blickwinkel aus!

Im Alltag sehen wir Kinder ja meist von oben. Und aus dieser Perspektive entstehen auch oft sehr schöne Portraits. Denn dann sehen die Kleinen eben auch aus wie die Kleinen. Haben besonders große Augen und und und.
Aber begebt Euch doch mal in die Situation und das heißt auch auf die Höhe der Lütten. Ich krabbel beim Fotografieren unglaublich viel auf dem Boden herum oder liege vor den Kindern. So ist man eben einfach näher dran.

Gerade Kinder in Bewegung müssen mit der Kamera erst einmal eingefangen werden. Deshalb nutzt hierfür kurze Belichtungszeiten oder den Sportmodus Eurer Kamera.

Anja Mey Kind verkleidet als Löwe

Bist du eigentlich eine Fotografin mit Kind oder eine Mutter, die Fotografin ist? Oder anders: klappt bei dir die Vereinbarkeit? Als Selbständige ist das sicher noch einen Tick schwerer als bei 9-to-5-Arbeitnehmern.

Ich glaube schwerer ist das gar nicht. Nur anders.
Mein Mann ist ja auch selbständig und das erfordert einfach viel Organisation und vor allem immer wieder zeitliche Absprache. Es gibt einfach keinen richtigen Alltag. Jeder Tag ist anders.

Ich retuschiere sehr oft abends noch, wenn mein Sohn schon schläft. Dafür muss ich aber auch nicht unbedingt zu einer bestimmten Uhrzeit mit der Arbeit beginnen und kann mit ihm vor der Kita ausgedehnt frühstücken oder noch etwas spielen. So startet der Tag sehr entspannt.

An Wochenenden bin ich meist unterwegs. Dafür kann ich dann Wochentage frei einteilen und mit meinem Kind einen freien Tag geniessen. Das kann z. B. besonders schön sein, wenn wir irgendwo hingehen möchten, wo es am Wochenende viel zu voll wäre.

Selbständiges Arbeiten macht mich also vor allem glücklich und nicht gestresster.

Da mein Sohn ja von Anfang an dieses selbständige Arbeiten kennengelernt hat, macht auch er das fantastisch mit. Das kann sogar bedeuten, dass er im Fotostudio für ein oder zwei Stunden spielt während ich fotografiere und weiß, dass ich danach wieder Zeit für ihn habe.

Aber meist bin ich natürlich alleine unterwegs und dann bin ich auch einfach Anja, die Fotografin.
Umgekehrt kann ich auch Momente mit meinem Sohn geniessen, ohne immer alles fotografieren zu müssen.

Vieles hält man eben auch ganz gut im Herzen fest!

Vielen Dank Anja für das Interview.

Wenn Ihr mehr über Anja wissen wollt oder sie als Fotografin für eure Hochzeit oder das nächste Kinder-/Babyshooting beauftragen wollt, schaut doch mal auf anjamey.de, oder bei Facebook vorbei.
Alle Fotos wurden mir freundlicherweise von (©) Anja Mey zur Verfügung gestellt.

Sebastian kommt aus Berlin, arbeitet am Kunden bei einem Enterprise Webhoster, ist verheiratet und seit 2013 Vater eines Sohnes. Auch wenn er noch ganz knapp aus der Generation ohne Internet stammt, spielt sich sein Leben fast komplett digital ab. Seine große Begeisterung ist das Reisen, am besten in große Städte in denen viel los ist.

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