Gastartikel: Machst du diesen Fehler, wenn du Kinder fotografierst?

Fotografieren von Kinder

Als ich noch bei meinen Eltern wohnte, hing im Flur ein großes Schwarz-Weiß-Porträt meiner Schwester. Mein Vater hatte sie im Profil fotografiert, auf ihrer Augenhöhe. Sie saß im Schneidersitz auf dem asphaltierten Parkplatz des Ferienlagers. Sie saß da, völlig versunken, und starrte in die Weite.

Es war ein großartiges Bild und verdiente den prominenten Platz an dieser Wand.

Das Geheimnis

Kinder fotografieren - bitte nicht stören

Was machte dieses Foto so großartig? Was war sein Geheimnis?

Mein Vater hatte es geschafft, diesen Moment einzufangen, wie er war. Er war angeschlichen und hatte unbemerkt ein Foto gemacht.

Ja, richtig. Angeschlichen. Unbemerkt.

Denn genau darin liegt das Geheimnis.

Wege in die Katastrophe

So hingegen ist die Katastrophe vorprogrammiert:

„Emma! Emma, schau doch mal!“
„Jo-ho-nas!“
„Mach doch nicht so ein Gesicht!“
„Jetzt hattest du die Augen zu!“

Hör bitte auf, Kinder vor dem Fotografieren zu rufen!

Bei den Kindern führt es nämlich zu genervten Blicken. Oder Grimassen. Oder gestelltem Lächeln. Oder noch schlimmer, nach einigem Training: Zu einer einstudierten Pose nebst „Foto-Lächeln“, sobald nur eine Kamera auf das Kind gerichtet wird. Bei den Erwachsenen führt es vor allem zu einer völlig falschen Erwartungshaltung („das Kind muss in die Kamera schauen“).

Fotografieren sollte immer Nebensache sein

Kinder fotografieren - schau nur nicht her

Fotografiert man die Kinder dagegen einfach so, beim Spielen, führt das zu abwechslungsreichen Bildern. Bilder voller Emotionen. Natürliche Fotos eben.

Wie das geht? Das ist sehr einfach:

  1. Kamera schnappen
  2. Mund halten
  3. Foto machen

Dabei ist jede Perspektive denkbar! (Der Kopf muss manchmal gar nicht zu sehen sein!)

Und sollten die Kinder durch jahrelange Erfahrung schon einen Näherungssensor für Kameras entwickelt haben: Einfach zum Weiterspielen ermuntern. Meist sind sie froh darüber und gleich wieder in einer anderen Welt.

Manchmal hilft es auch, sie in ein Gespräch zu verwickeln: „Zeig mal, was du da gebaut hast!“ kann ein sehr wertvoller Satz sein, um sich etwas vorführen zu lassen und dabei Fotos zu machen.

Fotografieren sollte immer Nebensache sein und nie Hauptsache. „Schau mal her!“ lenkt die Aufmerksamkeit auf das Fotografieren und die Kamera. Dort gehört sie aber nicht hin.

Denk immer dran: Für schöne Erinnerungen müssen Kinder nicht in die Kamera schauen! Und mit ein bisschen Glück machst du ein Foto, das du vergrößerst und in den Flur hängst und das du dir auch nach 25 Jahren immer noch jeden Tag gern anschaust.

So wie das Bild meiner Schwester bei meinen Eltern.

Fotos: André Wendt

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5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Wenn das nur so einfach wäre. Ich kann nur sagen: Bei unserem Sohn geht das nicht! Sobald er die Kamera sieht, sind alle Lampen an und es wird im Affenzahn zu uns gekrabbelt. Alles, was auch nur in irgendeiner Form Technik sein könnte ist höchst interessant. Muss sofort zum kleinen Mann und genau untersucht werden. Dabei ist besonders wichtig es aus jeder Perspektive genau anzuschauen und auch wirklich jeden einzelnen Knopf mindestens mit jedem seiner Zeigefinger zu berühren.

    Aber grundsätzlich gebe ich dir da vollkommen recht!

    • Das kenne ich auch nur zu gut. Da muss man geschickt sein. Oder was bei uns gekappt hat war ihm dann ein Ablenkungsdevice zu geben. (Leider hat sich das auch mit 1,5 Jahren noch nicht gegeben.)

  2. Genau so ist es, ich habe es leider selbst schon sehr oft falsch gemacht mit dem entsprechenden Ergebnis – im Extremfall gibt es dann eine komplette Verweigerung als Antwort. Bei einigen Bilder hilft allerdings jedes Anschleichen nicht, sei es für das berühmte Gruppenfoto oder Familienbild. Da ist dann auch mal Geduld gefragt.

    • Hallo reisepapa! Du hast völlig recht, wie immer kommt es drauf an. Manchmal muss man ein wenig plakativ sein… 😉

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