Datenschutz sollte nicht vor dem Kinderzimmer enden!

Datenschutz im Kinderzimmer, der Teddy ist vorbereitet. Aluhut.

Wusstet ihr eigentlich schon, dass ich echt was für Technik übrig habe? Nein, dann jetzt aber… Ich mag Technik, wirklich. Je mehr Technik in einer Sache ist, je interessanter ist es für mich. Und jetzt haltet euch fest… Das gilt nicht wenn es um mein Kind geht. Für „Luke“ sollte es so einfach wie möglich sein. Lieber eine Holzeisenbahn, als ein selbstfahrendes Spielzeugauto, lieber einen kuschligen Teddybär als eine selbst sprechende Puppe. (Darum trägt der Teddy -oben- auch einen Aluhut.)

Kennt ihr diese sprechende Barbie Puppe? Die Hello Barbie ist wohl das Neuste, was es in den „smarten Spielsachen“ gibt. Kurz: diese Barbie kann mit dem WLAN verbunden werden und kann dann mit dem Kind sprechen. Aber nicht auf die Furby Art, sondern eher wie Siri und Co. Sie reagiert/interagiert dann mit dem Kind. Die Gespräche mit dem Kind werden dann beim Anbieter (2 Jahre?) gespeichert und können von den Eltern per App abgehört (und auch im Web geteilt?) werden.

Klasse Teil oder? Sie wurde auch direkt mit dem Big Brother Award 2015 im Bereich Technik ausgezeichnet.

Aber nicht nur, dass dieser Dienst an sich schon dafür sorgt, dass sich bei mir die Nackenhaare aufstellen, wurde dieses Teil auch direkt „gehackt„. Neben den Zugängen zum Heimnetz (WiFi) konnten auch alle Sprechaufzeichnungen extrahiert werden.

Noch ein Beispiel gefällig?

Dann doch lieber low-tech-Spielzeug.

Dann doch lieber low-tech-Spielzeug.

Datenschutz Super-GAU bei Spielsachen

VTech – die Firma, die ich bis jetzt mit sprechenden und singenden Spielsachen (TUTU-Flitzer) in Verbindung brachte – hat eine Art Pad im Angebot, mit denen Eltern und Kinder miteinander per Video, Bild und Text kommunizieren können. Die Daten dazu liegen – natürlich – in dieser Cloud. Und oh Wunder, der Dienst wurde auch „gehackt„.

Auf den Servern wurden Namen, E-Mail-Adressen, Passwörter und Anschriften von 4.833.678 Eltern gefunden. Und als ob das nicht reicht, wurden auch von mehr als 200.000 Kindern die Namen, Geschlechter und Geburtsdaten gefunden. Und… jetzt wird es hart, 3.832 Bilder, die auf den Servern lagen, wurden veröffentlicht. Darauf zu sehen Kinder und Eltern, die davon ausgingen, der Dienst sei sicher.

Beide Beispiele zeigen was ein „smartes“ Spielzeug für Auswirkungen haben kann, wenn man zu nachlässig an das Thema Datenschutz geht, nur weil es sich um ein Spielzeug handelt.

Ich würde da gerne eine Sache aufgreifen, die im Podcast Logbuch Netzpolitik zu diesen beiden Sachen gesagt wurde (ab Minute 29).
Überlegen wir uns doch mal was das für Firmen sind, denen wir da Einblick in unser Kinderzimmer geben. Das sind klassische Spielzeugfirmen, die auf diesen Zug „smart*“ und Cloud aufgesprungen sind. Wieviel Know-How kann man diesen Firmen zutrauen? Ich kann mich da nur anschließen… Die Fachleute zum Thema Cloud & Datenschutz/Datensicherheit haben sicherlich andere Arbeitgeber als Spielzeugfirmen.

Jetzt will ich niemanden davon abhalten, smartes Spielzeug anzuschaffen (außer vielleicht diese beiden Sachen), ich würde mich nur freuen, wenn man sich Gedanken darüber macht wie viel von diesem „unsicheren Internet“ im Kinderzimmer Einzug halten muss.

Sebastian kommt aus Berlin, arbeitet am Kunden bei einem Enterprise Webhoster, ist verheiratet und seit 2013 Vater eines Sohnes. Auch wenn er noch ganz knapp aus der Generation ohne Internet stammt, spielt sich sein Leben fast komplett digital ab. Seine große Begeisterung ist das Reisen, am besten in große Städte in denen viel los ist.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Sebastian,
    diese Datenpannen bei Spielzeugfirmen sind defintiv schlimm, aber ist das Problem nicht einfach auch das fehlende Bewusstsein? Der beste Datenschutz ist immer die Datenvermeidung. Dann kann auch nichts „leaken“. Wenn ich mir die Flut von öffentlichen Bilder von Kindern bei facebook oder instagram sehe, scheint Privatheit einen geringen Wert zu haben.

    Viele Grüße,
    Alex

    • Hallo Alex,
      da hast du natürlich absolut Recht. Nur man kauft sich ja diese Produkte genau für diesen Zweck – also das Reden und Bilder senden mit den Eltern/Kindern. Da ist die Datensparsamkeit schwer.
      Ich kann dir (und allen anderen) dazu im Übrigen das Chaosradio CR218 – Internet of Things empfehlen.

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